Recht und Compliance EU AI Act Chatbot

KI-Chatbot-Haftung 2026: Wer haftet, wenn der Chatbot falsch informiert?

Gibt ein KI-Chatbot auf einer Firmenwebsite eine falsche Auskunft, haftet das Unternehmen: Das OLG Hamm verurteilte 2026 ein Unternehmen zur Unterlassung, dessen Chatbot erfundene Facharzttitel nannte. Seit dem 2. August 2026 gilt zudem die Kennzeichnungspflicht für Chatbots aus dem EU AI Act. ProofSnap sichert Chatbot-Antworten als prüfbares Beweispaket.

Von Radim Motycka, Gründer und leitender Entwickler von ProofSnap Aktualisiert am 7 Min. Lesezeit

OLG Hamm 2026: Das Unternehmen haftet für die Falschauskunft seines Chatbots

Am 12. Mai 2026 hat das Oberlandesgericht Hamm ein Unternehmen für die Antworten seines KI-Chatbots haften lassen. Der Chatbot auf der Website eines Anbieters ästhetischer Behandlungen hatte die beiden Geschäftsführer als Fachärzte für plastische und ästhetische Chirurgie bezeichnet, obwohl keiner von ihnen eine Facharztweiterbildung absolviert hatte. Ein Verbraucherverband klagte auf Unterlassung und bekam recht. Der Senat stellte klar, dass das Unternehmen für die Antworten des Chatbots selbst einstehen muss:

„Für deren Ausgabe in Form eigener Antworten auf Nutzerfragen ist die Beklagte grundsätzlich aufgrund der ihr zuzurechnenden Erarbeitung verantwortlich.“

Auch das Argument, Verbraucher wüssten um die Fehleranfälligkeit von KI-Antworten, ließ das Gericht nicht gelten: Solche Erfahrungssätze gebe es nicht. Es sei dem Unternehmen zumutbar gewesen, schon vor der ersten Inbetriebnahme sicherzustellen, dass der Chatbot keine falschen Angaben zur Qualifikation der Ärzte macht. Das Verbot knüpft das Gericht an die konkreten Chatbot-Antworten, die der Kläger als Anlage vorgelegt hatte; gerade mit diesem Verweis begründete der Senat, dass der Antrag hinreichend bestimmt war.

Schon 2024 in Kanada: der Fall Air Canada

Nach dem Tod seiner Großmutter fragte Jake Moffatt den Chatbot auf der Website von Air Canada nach ermäßigten Tarifen für Trauerfälle. Der Chatbot antwortete, Moffatt könne den ermäßigten Tarif auch nach der Reise beantragen. Das stimmte nicht, und die Fluggesellschaft lehnte die Erstattung ab. Vor dem Civil Resolution Tribunal von British Columbia machte Air Canada unter anderem geltend, nicht für die Auskünfte ihres Chatbots zu haften. Das Civil Resolution Tribunal folgte dem nicht und sprach Moffatt im Februar 2024 insgesamt 812,02 kanadische Dollar an Schadensersatz, Zinsen und Gebühren zu:

„It should be obvious to Air Canada that it is responsible for all the information on its website. It makes no difference whether the information comes from a static page or a chatbot.“

Übersetzung: „Es sollte für Air Canada offensichtlich sein, dass sie für alle Informationen auf ihrer Website verantwortlich ist. Es macht keinen Unterschied, ob die Informationen von einer statischen Seite oder von einem Chatbot stammen.“

In beiden Fällen kam es auf den genauen Wortlaut der Chatbot-Antwort an. Wer ihn belegen kann, ob als Kunde oder als Unternehmen, steht besser da.

Kennzeichnungspflicht für Chatbots: Was der EU AI Act seit dem 2. August 2026 verlangt

Seit dem 2. August 2026 gilt die Kennzeichnungspflicht aus Art. 50 Abs. 1 AI Act. Danach müssen KI-Systeme, die für die direkte Interaktion mit natürlichen Personen bestimmt sind, „so konzipiert und entwickelt werden, dass die betreffenden natürlichen Personen informiert werden, dass sie mit einem KI-System interagieren, es sei denn, dies ist aus Sicht einer angemessen informierten, aufmerksamen und verständigen natürlichen Person aufgrund der Umstände und des Kontexts der Nutzung offensichtlich“.

Die Pflicht trifft den Anbieter. Anbieter ist nach der Begriffsbestimmung der Verordnung auch, wer ein KI-System entwickeln lässt und es unter eigenem Namen in Betrieb nimmt. Ein Unternehmen, das einen Chatbot unter seiner Marke auf der eigenen Website einsetzt, kann also selbst in der Pflicht stehen. Der Hinweis muss spätestens bei der ersten Interaktion „in klarer und eindeutiger Weise“ erfolgen.

Verstöße gegen diese Kennzeichnungspflicht können nach Art. 99 Abs. 4 AI Act mit Geldbußen von bis zu 15 Millionen Euro oder 3 % des weltweiten Jahresumsatzes geahndet werden, je nachdem, welcher Betrag höher ist. Für kleine und mittlere Unternehmen gilt jeweils der niedrigere Betrag. Die häufig genannten 35 Millionen Euro betreffen nur verbotene KI-Praktiken. Eine Pflicht, jedes Chatbot-Gespräch aufzuzeichnen, enthält die Transparenzvorschrift nicht.

Fünf Situationen, in denen Sie eine Chatbot-Antwort sichern sollten

Eine Sicherung lohnt sich überall dort, wo eine Aussage des Chatbots später streitig werden kann:

  1. Zusagen zu Preis, Rabatt oder Erstattung, bevor Sie auf dieser Grundlage kaufen oder buchen.
  2. Auskünfte zu Fristen und Bedingungen, etwa zur Rückgabe, Kündigung oder Garantie.
  3. Beschwerden über Ihren eigenen Chatbot: Behauptet ein Kunde, Ihr Chatbot habe ihm etwas zugesagt, sichern Sie das Gespräch, sobald die Beschwerde eingeht.
  4. Der KI-Hinweis Ihres Chatbots: Halten Sie fest, ob und wie Ihr Chatbot an einem bestimmten Tag auf den KI-Einsatz hinweist.
  5. Falsche Aussagen über Personen oder Unternehmen in KI-Antworten. Wie Sie dabei vorgehen, erklärt unser Beitrag „KI-Falschaussage über Ihr Unternehmen: Beweis sichern“.

Sehen Sie selbst, was ein Beweispaket enthält

Laden Sie ein echtes Beweispaket als ZIP-Datei herunter und prüfen Sie jede einzelne Datei.

Musterpaket herunterladen

Warum ein Screenshot des Chats oft nicht reicht

Chatbot-Antworten sind flüchtig. Auf dieselbe Frage kann morgen eine andere Antwort kommen, und ein Chatfenster auf einer Website ist nach dem Schließen oft leer. Ein Screenshot hält die Antwort zwar fest, lässt sich aber in Sekunden bearbeiten, und sein Datum ist leicht zu bestreiten.

Überzeugender ist eine Sicherung, die neben dem Bild auch das HTML und den Text des Gesprächs, Metadaten und Hashwerte enthält und deren Zeitpunkt sich, außer im Tarif Essential, unabhängig prüfen lässt. Warum ein Screenshot allein vor Gericht oft scheitert, erklärt unser Beitrag „Screenshot als Beweis vor Gericht“.

So sichern Sie ein Chatbot-Gespräch mit ProofSnap

ProofSnap-Seitenleiste auf Deutsch mit der Schaltfläche „Seiten-Schnappschuss erstellen“, der Auswahl der Beweissprache und den Schaltern für sichtbaren Bereich, Videoaufzeichnung und qualifizierten EU-Zeitstempel nach eIDAS
Die Seitenleiste der Erweiterung auf Deutsch.

Die Erweiterung öffnet sich in Chrome als Seitenleiste neben dem Gespräch.

ChatGPT, Claude oder Gemini

  1. Öffnen Sie das Gespräch auf chatgpt.com, claude.ai oder gemini.google.com.
  2. Lassen Sie „Nur sichtbaren Bereich erfassen“ ausgeschaltet.
  3. Klicken Sie auf Seiten-Schnappschuss erstellen. ProofSnap scrollt durch den Gesprächsverlauf und erfasst auch die Nachrichten, die erst beim Scrollen erscheinen.

Chatfenster auf einer Website

  1. Öffnen Sie das Chatfenster so, dass die entscheidenden Nachrichten sichtbar sind.
  2. Schalten Sie „Nur sichtbaren Bereich erfassen“ ein, damit ProofSnap genau das erfasst, was Sie auf dem Bildschirm sehen.
  3. Klicken Sie auf Seiten-Schnappschuss erstellen. Bei längeren Gesprächen scrollen Sie im Chatfenster weiter und erfassen den nächsten Abschnitt.

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Was das Beweispaket enthält

Das Beweispaket von ProofSnap enthält neben dem Bild des Gesprächs das HTML, den Text des Gesprächs, Metadaten und für jede Datei einen SHA-256-Hashwert in einem mit RSA-4096 signierten Manifest. Ein Zeitstempel (nicht im Tarif Essential) belegt, dass das Manifest spätestens zum angegebenen Zeitpunkt existierte, und jede spätere Änderung an einer Datei fällt beim Abgleich mit dem zeitgestempelten Manifest auf.

proofsnap_20260915_201500.zip
  • screenshot.jpegDas Gespräch als Bild
  • page.htmlHTML der Seite mit eingebettetem CSS
  • domtextcontent.txtDer Text des Gesprächs, durchsuchbar
  • metadata.jsonURL, DNS, WHOIS, Browser, Cookies und Browserspeicher der Seite
  • evidence.pdfBeweisbericht für Reklamation, Behörde oder Gericht
  • forensic_log.jsonAlle Erfassungsschritte, per Hash verkettet
  • manifest.json + manifest.sigAlle Hashwerte, signiert mit RSA-4096
  • manifest.json.otsBitcoin-Anker, nicht im Tarif Essential
  • manifest.json.tsrQualifizierter eIDAS-Zeitstempel, bei gebuchter eIDAS-Option
  • verification/verify.sh, verify.ps1Prüfskripte, die offline laufen
Vereinfachte Darstellung. Ein ProofSnap-Beweispaket umfasst je nach Tarif 11 bis 15 Dateien: 11 im Tarif Essential, 12 im Tarif Professional, 15 in den Tarifen Enterprise und Company.

Was ProofSnap kostet

Abgerechnet wird in US-Dollar. Die Eurobeträge sind gerundete Richtwerte.

ProofSnap-Tarife und Einmalkäufe mit Preisen in USD und ungefährem Eurogegenwert
Tarif Preis Umfang
Standard SnapPack 4,99 USD (ca. 4,60 EUR)
einmalig, 10 Erfassungen
Für gelegentliche Nutzung ohne Abo. Das Guthaben verfällt nicht. Bitcoin-Anker inklusive.
Essential 8,99 USD pro Monat (ca. 8,30 EUR) 100 Erfassungen pro Monat mit Beweis-PDF und Hashwerten, ohne Zeitstempel.
Professional 16,99 USD pro Monat (ca. 15,60 EUR) 200 Erfassungen pro Monat mit Bitcoin-Anker.
Enterprise 28,99 USD pro Monat (ca. 26,70 EUR) Unbegrenzte Erfassungen, 10 qualifizierte eIDAS-Zeitstempel pro Monat, eigenes Branding.
eIDAS SnapPack 6,99 USD für einen Zeitstempel (ca. 6,40 EUR)
24,99 USD (ca. 23 EUR) für 5, 49,99 USD (ca. 46 EUR) für 10
Qualifizierter eIDAS-Zeitstempel für einzelne Erfassungen, ohne Abo.

Bei jährlicher Zahlung sparen Sie 20 %. Den Tarif Company für Teams und das Video SnapPack finden Sie in der vollständigen Preisübersicht.

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Kreditkarte erforderlich. Ohne Abo: Standard SnapPack für 4,99 USD (ca. 4,60 EUR), Kauf in der Erweiterung nach der Anmeldung.

Das Wichtigste in Kürze

  • 1.Das Unternehmen ist für die Antworten seines Chatbots verantwortlich: So entschied 2026 das OLG Hamm, ähnlich 2024 das Civil Resolution Tribunal von British Columbia gegen Air Canada.
  • 2.Seit dem 2. August 2026 müssen Nutzer in der EU erfahren, dass sie mit einem KI-System sprechen, sofern das nicht offensichtlich ist.
  • 3.Bei Verstößen gegen die Transparenzpflicht drohen Geldbußen von bis zu 15 Millionen Euro oder 3 % des weltweiten Jahresumsatzes, nicht 35 Millionen Euro.
  • 4.Entscheidend ist der genaue Wortlaut der Chatbot-Antwort, und der ist oft schon am nächsten Tag nicht mehr abrufbar.
  • 5.ProofSnap sichert Chatbot-Gespräche als Beweispaket mit HTML, Text und Hashwerten und, außer im Tarif Essential, mit Zeitstempel.

Häufige Fragen

Wer haftet, wenn ein KI-Chatbot falsche Auskünfte gibt?

Das Unternehmen, das den Chatbot einsetzt. Das OLG Hamm hat 2026 entschieden, dass ein Unternehmen für die Antworten seines KI-Chatbots verantwortlich ist, und es zur Unterlassung falscher Angaben verurteilt. Das Argument, Verbraucher wüssten um die Fehleranfälligkeit von KI-Antworten, ließ das Gericht nicht gelten.

Muss ein Unternehmen Kunden sagen, dass sie mit einer KI sprechen?

Nach dem EU AI Act müssen KI-Systeme, die direkt mit Menschen interagieren, seit dem 2. August 2026 so gestaltet sein, dass die Nutzer erfahren, dass sie mit einem KI-System sprechen, es sei denn, das ist offensichtlich. Die Pflicht trifft den Anbieter des Systems. Anbieter kann auch ein Unternehmen sein, das einen Chatbot entwickeln lässt und unter eigenem Namen in Betrieb nimmt.

Wie hoch sind die Bußgelder bei Verstößen gegen die Transparenzpflicht?

Bis zu 15 Millionen Euro oder 3 % des weltweiten Jahresumsatzes, je nachdem, welcher Betrag höher ist. Für kleine und mittlere Unternehmen gilt der niedrigere Betrag. Die oft genannten 35 Millionen Euro gelten nur für verbotene KI-Praktiken.

Muss ich jedes Chatbot-Gespräch aufzeichnen?

Die Transparenzpflicht des AI Act verlangt das nicht. Sinnvoll ist eine Sicherung überall dort, wo eine Aussage des Chatbots später streitig werden kann, etwa bei Preisen, Fristen oder Zusagen.

Kann ich ein ChatGPT-Gespräch als Beweis sichern?

Ja. Auf chatgpt.com, claude.ai und gemini.google.com scrollt ProofSnap durch den Gesprächsverlauf und erfasst auch die Nachrichten, die erst beim Scrollen erscheinen, zusammen mit HTML, Text und Hashwerten.

Reicht ein Screenshot des Chats?

Ein Screenshot lässt sich leicht bearbeiten, und sein Datum ist schwer zu belegen. Überzeugender ist eine Sicherung mit HTML, Text, Metadaten, Hashwerten und, außer im Tarif Essential, einem Zeitstempel, der sich unabhängig prüfen lässt.

Sichern Sie die Chatbot-Antwort, bevor sie verschwindet

ProofSnap erstellt ein forensisches Beweispaket mit SHA-256-Hashwerten, signiertem Manifest und Erfassungsprotokoll, direkt in Chrome.

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Quellen

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