Deepfake-Einwand vor Gericht: Wie das Herkunftszertifikat Ihre digitalen Beweise stützt
Seit KI täuschend echte Bilder erzeugt, bestreitet die Gegenseite Screenshots immer öfter mit dem Einwand, sie seien gefälscht. ProofSnap legt jeder Erfassung ein Herkunftszertifikat bei, das sechs Prüfungen der Erfassungsumgebung dokumentiert. Dieser Leitfaden (Stand 2026) zeigt, was das Zertifikat belegt und wie es vor Gerichten in Deutschland, Österreich und der Schweiz wirkt.
Kurz gesagt
Gegen den Einwand „das könnte ein Deepfake sein“ hilft kein besserer Screenshot, sondern eine Dokumentation, wie er entstanden ist. Das Herkunftszertifikat hält die Ergebnisse der Prüfung auf Browserautomatisierung, des Zeitabgleichs mit unabhängigen Quellen und des DNS-Abgleichs über zwei Resolver fest, dazu die Bewertung der Erfassungsumgebung und die angeforderten Zeitstempel. Den Beweiswert würdigt das Gericht frei.
So sieht ProofSnap aus
In der Seitenleiste der Erweiterung starten Sie die Erfassung. Das Herkunftszertifikat entsteht automatisch mit dem Beweispaket.
Was Sie vor der Erfassung entscheiden
- Seiten-Schnappschuss erstellen
- Erfasst die Seite als Ganzes und erzeugt das Beweispaket mit Herkunftszertifikat, Hashwerten und Signatur.
- Beweissprache
- Bestimmt die Sprache des Beweis-PDFs. Für ein deutschsprachiges Gericht wählen Sie Deutsch, auch bei einer englischsprachigen Seite.
- Videoaufzeichnung
- Zeichnet den Erfassungsvorgang als Video auf.
- Qualifizierter eIDAS-Zeitstempel
- Verfügbar in den Tarifen Enterprise und Company sowie mit dem eIDAS SnapPack. Der Zähler zeigt die verbleibenden Zeitstempel.
1. Das Deepfake-Problem vor Gericht
Sie haben eine Bedrohung in sozialen Medien, ein betrügerisches Inserat oder eine verleumderische Bewertung gesichert und den Screenshot vorgelegt. Die Gegenseite bestreitet die Echtheit, oft mit der sogenannten KI-Ausrede: KI könne solche Bilder heute erzeugen, und es gebe keinen Beleg, dass Ihr Screenshot aus einem echten Browser stamme.
Der Einwand ist nicht aus der Luft gegriffen. In den USA hat ein kalifornisches Gericht im September 2025 im Verfahren Mendones v. Cushman & Wakefield eine Klage abgewiesen, nachdem es eingereichte Videos als Deepfakes erkannt hatte (Bericht bei Reason).
Die Rechtswissenschaftler Chesney und Citron nennen die Kehrseite die Lügner-Dividende: Weil es Deepfakes gibt, lässt sich auch ein echter Beweis als Fälschung abtun. Wer bestreitet, muss dafür nichts beweisen.
In Deutschland hat der Bundesrat erneut einen Gesetzentwurf gegen Deepfakes eingebracht, der einen eigenen Straftatbestand vorsieht. Das Problem im Prozess löst ein Straftatbestand nicht: Dort geht es darum, die Echtheit des eigenen Beweises zu stützen.
So sieht ein Beweispaket aus
Laden Sie ein echtes Beweispaket mit Herkunftszertifikat herunter, so wie ProofSnap es als ZIP-Datei erzeugt. Oder senden Sie eine URL an support@getproofsnap.com, und wir erfassen sie kostenlos für Sie.
Musterpaket herunterladen2. Rechtslage in Deutschland, Österreich, der Schweiz und der EU
Deutschland
Ein Screenshot, eine gesicherte Webseite oder ein Chatverlauf ist ein Augenscheinsobjekt. Nach § 371 ZPO wird der Beweis bei einem elektronischen Dokument durch Vorlegung oder Übermittlung der Datei angetreten. Ob es echt ist, beurteilt das Gericht in freier Beweiswürdigung nach § 286 ZPO.
Eine gesetzliche Beweisregel für Screenshots gibt es nicht. Umso mehr kommt es darauf an, dem Gericht nachvollziehbar zu zeigen, wie der Beweis entstanden ist.
EU: qualifizierter Zeitstempel
Für qualifizierte elektronische Zeitstempel gilt nach Art. 41 Abs. 2 der eIDAS-Verordnung die Vermutung der Richtigkeit von Datum und Uhrzeit und der Unversehrtheit der gestempelten Daten. Sie gilt vor Gerichten in der EU und betrifft nicht die Frage, ob der erfasste Inhalt echt oder KI-erzeugt ist.
Österreich
Das Gericht würdigt Beweise frei, die eIDAS-Verordnung gilt unmittelbar, einschließlich der Vermutung für qualifizierte Zeitstempel.
Schweiz
Elektronische Dateien zählen zu den Urkunden, und das Gericht würdigt Beweise frei. Die eIDAS-Verordnung gilt nicht; qualifizierte Signaturen und Zeitstempel regelt das ZertES.
3. Das Herkunftszertifikat: sechs Prüfungen
Das Herkunftszertifikat ist ein eigenes PDF im Beweispaket (provenance_certificate.pdf). Es dokumentiert sechs Punkte, die ProofSnap während der Erfassung prüft oder veranlasst:
1. Erkennung von Automatisierung und Headless-Browsern
Prüft, ob der Browser ohne Oberfläche läuft oder von Automatisierungswerkzeugen gesteuert wird.
2. NTP-Zeitabgleich
Gleicht die Uhrzeit der Erfassung mit unabhängigen Zeitquellen ab und weist eine Abweichung der Geräteuhr aus.
3. DNS-Abgleich über zwei Resolver
Löst die Domain über zwei unabhängige DNS-Resolver auf und vermerkt, ob die Antworten übereinstimmen.
4. Bewertung der Geräteintegrität
Fasst die Anzeichen für Automatisierung zu einer Bewertung der Erfassungsumgebung zusammen.
5. Blockchain-Zeitstempel
Ab dem Tarif Professional vermerkt das Zertifikat, dass der Hashwert des Manifests zur Verankerung in der Bitcoin-Blockchain über OpenTimestamps eingereicht wurde. Der Nachweis liegt in
manifest.json.otsund belegt, dass das Paket spätestens zum Zeitpunkt der Verankerung existierte.6. Qualifizierter eIDAS-Zeitstempel
In den Tarifen Enterprise und Company sowie mit dem eIDAS SnapPack vermerkt das Zertifikat, dass ein qualifizierter Zeitstempel von Disig a.s., einem qualifizierten Vertrauensdiensteanbieter auf der EU-Vertrauensliste, angefordert wurde. Der Zeitstempel liegt in
manifest.json.tsr, die Daten zur Langzeitprüfung ineidas_validation.json.
Das Zertifikat dokumentiert, wie und in welcher Umgebung erfasst wurde. Ob der Inhalt der Seite wahr ist, belegt es nicht. Seine Stärke liegt darin, dass mehrere voneinander unabhängige Angaben zusammenpassen müssen.
4. So funktioniert es in der Praxis
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1. Seite öffnen und erfassen
Öffnen Sie die Seite in Chrome oder Edge und starten Sie die Erfassung in der Seitenleiste. Das Herkunftszertifikat entsteht zusammen mit dem Beweispaket.
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2. Bei Bedarf die Videoaufzeichnung einschalten
Die Aufzeichnung dokumentiert den Vorgang selbst: Laden der Seite und Erfassung.
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3. Beweispaket erhalten
Das Paket enthält bis zu 15 Dateien, darunter Screenshot, Seiten-HTML, Metadaten, Beweiskette, Beweis-PDF und Herkunftszertifikat. Jede Datei erhält einen SHA-256-Hashwert, das Manifest eine RSA-4096-Signatur.
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4. Prüfen
Prüfen Sie das Paket im Vertrauens-Verifizierer oder mit dem quelloffenen Werkzeug proofsnap-verify (MIT-Lizenz). Die Prüfskripte im Paket laufen ohne Verbindung zu ProofSnap.
5. Vor Gericht: Musterargumentation
Die Gegenseite wendet ein, der Screenshot könnte ein Deepfake sein. Wir legen das vollständige Beweispaket mit Herkunftszertifikat vor. Es dokumentiert die Ergebnisse der Prüfung auf Browserautomatisierung, des Abgleichs der Uhrzeit mit unabhängigen Zeitquellen und des DNS-Abgleichs über zwei Resolver. Für jede Datei ist ein SHA-256-Hashwert berechnet, das Manifest ist signiert. Hashwerte, Signatur und Zeitstempel lassen sich mit einem quelloffenen Werkzeug nachprüfen.
Das Zertifikat liefert dem Gericht konkrete, überprüfbare Anhaltspunkte, an denen ein pauschaler Deepfake-Einwand gemessen werden kann.
6. Was ProofSnap kostet
Abgerechnet wird in US-Dollar. Die Eurobeträge sind gerundete Richtwerte (Stand August 2026).
| Tarif oder Paket | Preis | Enthält |
|---|---|---|
| Standard SnapPack | 4,99 USD (ca. 4,30 EUR) für 10 Erfassungen, unbefristet gültig | Für einzelne Fälle, ohne Abo |
| Essential | 8,99 USD pro Monat (ca. 7,80 EUR) oder 80 USD pro Jahr (ca. 69,60 EUR) | Hashwerte, Signatur und Beweiskette |
| Professional | 16,99 USD pro Monat (ca. 14,80 EUR) oder 160 USD pro Jahr (ca. 139,20 EUR) | Zusätzlich der Bitcoin-Zeitstempel (OpenTimestamps) |
| Enterprise | 28,99 USD pro Monat (ca. 25,20 EUR) oder 280 USD pro Jahr (ca. 243,60 EUR) | Zusätzlich qualifizierte eIDAS-Zeitstempel und eigenes Branding im Beweis-PDF |
| Company | 18,99 USD pro Nutzer und Monat (ca. 16,50 EUR) | Für Teams mit mehreren Bearbeitern |
| eIDAS SnapPack | 4,99 USD (ca. 4,40 EUR) für 1 Zeitstempel, 14,99 USD (ca. 13,00 EUR) für 5, 24,99 USD (ca. 21,70 EUR) für 10 | Qualifizierte Zeitstempel ohne Enterprise-Abo |
| Video SnapPack | 9,99 USD (ca. 8,70 EUR) für 1 Video, 24,99 USD (ca. 21,70 EUR) für 3, 69,99 USD (ca. 60,90 EUR) für 10 | Längere Videoaufzeichnungen, mit je einem eIDAS-Credit |
Credits aus eIDAS SnapPacks und Video SnapPacks sind 12 Monate gültig, Credits aus dem Standard SnapPack verfallen nicht. Wie Sie mit einem Video SnapPack einen Stream oder ein Kurzvideo aufzeichnen, zeigt der Leitfaden TikTok-, YouTube- und Twitch-Video als Beweis sichern.
Kreditkarte erforderlich. Ohne Abo: Standard SnapPack für 4,99 USD (ca. 4,30 EUR).
7. Häufige Fragen
Kann ein Herkunftszertifikat Deepfake-Einwände verhindern?
Verhindern kann es sie nicht, aber es hilft, ihnen entgegenzutreten. Es dokumentiert die Ergebnisse von sechs Prüfungen während der Erfassung; Hashwerte, Signatur und Zeitstempel des Pakets lassen sich mit dem quelloffenen Prüfwerkzeug nachprüfen. Den Beweiswert würdigt das Gericht frei.
Was bewirkt ein qualifizierter Zeitstempel?
Für einen qualifizierten elektronischen Zeitstempel gilt vor Gerichten in der EU die Vermutung, dass Datum und Uhrzeit richtig und die gestempelten Daten unversehrt sind. Ob der erfasste Inhalt echt ist, umfasst die Vermutung nicht.
Was ist die Lügner-Dividende?
Ein von Chesney und Citron geprägter Begriff: Weil es Deepfakes gibt, lässt sich auch ein echter Beweis als KI-erzeugt abtun. Eine Dokumentation, wie der Beweis entstanden ist, setzt dem etwas entgegen.
Wie hilft die Videoaufzeichnung?
Sie zeigt den Erfassungsvorgang selbst, mit dem Laden der Seite und der Erfassung, und erhält wie die übrigen Dateien einen Hashwert.
Hilft das Herkunftszertifikat auch in Österreich und der Schweiz?
Ja, in beiden Ländern würdigt das Gericht Beweise frei. Die Vermutung für qualifizierte Zeitstempel gilt in Österreich unmittelbar, in der Schweiz nicht; dort regelt das ZertES qualifizierte Zeitstempel.
Quellen
- • Zivilprozessordnung (gesetze-im-internet.de)
- • eIDAS-Verordnung (EU) Nr. 910/2014, konsolidierte Fassung (EUR-Lex)
- • Chesney und Citron: Deep Fakes, California Law Review (2019)
- • Reason: Mendones v. Cushman & Wakefield (September 2025)
- • BRAK: Bundesrat bringt erneut Gesetzentwurf gegen Deepfakes ein
- • proofsnap-verify (GitHub, MIT-Lizenz)
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