Verbraucherschutz Betrugsbeweise Deutschland, Österreich, Schweiz

Online-Betrug: Beweise sichern für Polizei, Bank und Gericht

Wer online betrogen wurde, hat oft nur Stunden, bevor Shop, Profil oder Chat verschwinden. Dieser Leitfaden (Stand 2026) zeigt für Deutschland, Österreich und die Schweiz, welche Beweise Polizei und Bank brauchen, wie Sie diese von Hand oder mit ProofSnap sichern und wo Sie Anzeige erstatten.

Von Radim Motycka, Gründer und leitender Ingenieur von ProofSnap • • 10 Min. Lesezeit •

Kurz gesagt

  1. 1. Nichts schließen und nichts löschen: Shop, Profil und Chat sind Ihre Beweise.
  2. 2. Karten sperren (in Deutschland über den Sperr-Notruf 116 116), dann die Bank anrufen.
  3. 3. Betrugsseite, Kommunikation und Zahlungsbelege sichern, bevor Sie den Täter melden oder konfrontieren.
  4. 4. Anzeige erstatten: Onlinewache (DE), Polizeiinspektion (AT), Kantonspolizei (CH).

So sieht ProofSnap aus

Mit einem Klick sichern Sie Betrugsseite, Chat oder Zahlungsbeleg als Beweispaket, bevor der Täter sie löscht.

ProofSnap-Seitenleiste auf Deutsch mit der Schaltfläche „Seiten-Schnappschuss erstellen“, der Auswahl der Beweissprache und dem Schalter für den qualifizierten eIDAS-Zeitstempel
Die Seitenleiste der Erweiterung, hier auf Deutsch.

Was Sie vor der Erfassung entscheiden

Seiten-Schnappschuss erstellen
Sichert die geöffnete Seite, etwa einen Fake-Shop, ein Inserat oder einen Chat, mit Adresse, HTML-Code und Hashwerten als ZIP-Paket.
Beweissprache
Bestimmt die Sprache des Beweis-PDFs. Für ein deutschsprachiges Gericht wählen Sie Deutsch, auch bei einer englischsprachigen Seite.
Videoaufzeichnung
Zeichnet den Erfassungsvorgang als Video auf.
Qualifizierter eIDAS-Zeitstempel
Verfügbar in den Tarifen Enterprise und Company sowie mit dem eIDAS SnapPack. Der Zähler zeigt die verbleibenden Zeitstempel.

1. Die ersten Minuten

Betrugsseiten gehen offline, Profile werden gelöscht, Chats verschwinden. Wer reflexartig den Täter anschreibt oder das Profil sofort meldet, zerstört oft genau die Spuren, die Polizei und Bank später brauchen.

  • • Nichts schließen, nichts löschen. Lassen Sie Tabs, Chats und E-Mails offen.
  • • Karten sperren. In Deutschland über den Sperr-Notruf 116 116, rund um die Uhr. In Österreich und der Schweiz über die Notfallnummer Ihrer Bank.
  • • Bank anrufen. Bei einer Überweisung zählt jede Stunde, denn zurückholen lässt sich das Geld nur, solange es noch auf dem Empfängerkonto liegt.
  • • Beweise sichern, bevor Sie den Täter melden (Abschnitt 2).

Notruf bei akuter Gefahr: 110 in Deutschland, 133 in Österreich, 117 in der Schweiz, europaweit 112.

2. Beweise sichern, Schritt für Schritt

Polizei und Bank brauchen vier Dinge: die Betrugsseite oder das Angebot, die Kommunikation mit dem Täter, die Zahlungsbelege und einen nachvollziehbaren Nachweis, wie diese Belege entstanden sind.

  1. 1. Die Betrugsseite vollständig sichern

    Shop, Inserat, Profil oder Plattform als ganze Seite mit Adresse und Datum, dazu Impressum, AGB und Kontaktseite. ProofSnap sichert dabei auch den HTML-Code der Seite, HTTP-Header und die Domaindaten (WHOIS), an denen sich das Alter einer Domain ablesen lässt.

  2. 2. Die gesamte Kommunikation sichern

    Chats in WhatsApp Web, Telegram, Messenger oder auf der Plattform, E-Mails und SMS. Scrollen Sie bis zur ersten Nachricht zurück und sichern Sie das Profil des Täters separat.

  3. 3. Die Zahlung belegen

    Kontoauszug oder Kartenabrechnung, Zahlungsbestätigung, PayPal- oder Klarna-Beleg, bei Krypto die Transaktions-ID und die Wallet-Adresse des Empfängers.

  4. 4. Die Belege gegen Veränderung absichern

    Ein einfacher Screenshot lässt sich nachträglich ändern. Ein ProofSnap-Beweispaket enthält für jede Datei einen SHA-256-Hashwert, eine digitale Signatur und eine Beweiskette, ab dem Tarif Professional zusätzlich einen Bitcoin-Zeitstempel.

  5. 5. Anzeige erstatten und die Bank informieren

    Fügen Sie das Beweis-PDF der Anzeige bei und geben Sie das Aktenzeichen an Ihre Bank weiter, wenn Sie die Zahlung reklamieren.

So sieht ein Beweispaket aus

Laden Sie ein echtes Beweispaket herunter, so wie ProofSnap es als ZIP-Datei erzeugt. Oder senden Sie eine URL an support@getproofsnap.com, und wir erfassen sie kostenlos für Sie.

Musterpaket herunterladen

3. Was Sie je nach Betrugsart sichern

Fake-Shop

Die Produktseite mit Preis und Beschreibung, die Bestellbestätigung, Impressum und AGB, die angebliche Sendungsnummer und die Domaindaten. Ob ein Shop bekannt ist, prüft der Fakeshop-Finder der Verbraucherzentrale.

Anlagebetrug und Krypto-Plattformen

Dashboard mit Kontostand und Transaktionen, jede Meldung wie „Auszahlung gesperrt“ oder „Steuer erforderlich“, die erste Kontaktaufnahme oder Werbeanzeige, alle Chats und die Wallet-Adressen. Melden Sie den Anbieter zusätzlich der Finanzaufsicht (BaFin, FMA oder FINMA).

Phishing

Die E-Mail mit vollständigen Kopfzeilen (in Gmail „Original anzeigen“), die gefälschte Seite mit ihrer Adresse, SMS und Rückrufnummern. Haben Sie Daten eingegeben, ändern Sie sofort die Passwörter und lassen Sie Karten und Online-Banking sperren.

Liebesbetrug (Romance Scam)

Das Profil mit Fotos und Angaben, den gesamten Chatverlauf, die Ergebnisse einer Bilderrückwärtssuche und alle Zahlungsbelege. Sichern Sie alles, bevor Sie das Profil melden, denn danach wird es meist gelöscht.

Kleinanzeigenbetrug (Kleinanzeigen, willhaben, Ricardo)

Die Anzeige, das Verkäuferprofil mit Bewertungen, den Chat auf der Plattform und den Zahlungsweg. Vorsicht bei Zahlungslinks, die per Nachricht kommen: Sie führen oft auf gefälschte Bezahlseiten. Geht es um eine Wohnung, lesen Sie, was bei Wohnungsbetrug durch einen falschen Vermieter zu tun ist.

„Hallo Mama“-Nachrichten und Schockanrufe

Die Nachricht mit der Absendernummer, den vollständigen Chat, Sprachnachrichten und den Überweisungsbeleg. Informationen zu diesen Maschen bietet die Polizeiliche Kriminalprävention.

Jobangebote und Aufgabenbetrug

Die Stellenanzeige oder Anwerbenachricht, die Seite des angeblichen Unternehmens, den „Vertrag“, die Aufgabenplattform und jede Zahlungsaufforderung. Mehr dazu im Leitfaden zu Fake-Jobangeboten.

4. Wo Sie Anzeige erstatten

Meldestellen für Online-Betrug in Deutschland, Österreich und der Schweiz
LandAnzeigeZusätzlich
DeutschlandOnlinewache Ihres Bundeslandes oder jede PolizeidienststelleVerbraucherzentrale, bei Finanzbetrug die BaFin
ÖsterreichJede Polizeiinspektion, Hinweise an die Meldestelle für Internetkriminalität des BundeskriminalamtsWatchlist Internet, bei Finanzbetrug die FMA
SchweizKantonspolizei, für bestimmte Fälle wie bezahlte, aber nie gelieferte Ware in mehreren Kantonen auch online über Suisse ePoliceMeldung an das Bundesamt für Cybersicherheit BACS, Informationen auf cybercrimepolice.ch

Notieren Sie das Aktenzeichen. Ihre Bank fragt danach, wenn Sie eine Zahlung reklamieren.

Melden Sie den Täter auch auf der Plattform, auf der der Betrug geschah, aber erst, nachdem Sie Profil und Chat gesichert haben. Nach einer Meldung wird das Konto oft innerhalb kurzer Zeit gelöscht.

5. Geld zurück: Karte, Lastschrift, Überweisung

Wie gut die Chancen stehen, hängt vor allem vom Zahlungsweg ab.

  • • Kreditkarte: Bitten Sie Ihre Bank um eine Rückbuchung (Chargeback). Die Fristen legen die Kartenorganisationen fest. Melden Sie sich deshalb so früh wie möglich. Die Bank braucht Belege dafür, was bestellt, versprochen und bezahlt wurde.
  • • SEPA-Lastschrift (Deutschland, Österreich): Eine genehmigte Lastschrift können Sie innerhalb von acht Wochen zurückbuchen lassen, eine nicht genehmigte bis zu 13 Monate nachträglich.
  • • Überweisung: Die Bank kann versuchen, das Geld bei der Empfängerbank zurückzurufen. Das gelingt nur, solange es noch nicht weitergeleitet wurde.
  • • PayPal und Klarna: Nutzen Sie den Käuferschutz des Anbieters. Zahlungen an „Freunde und Familie“ sind davon in der Regel ausgenommen.
  • • Krypto und Gutscheinkarten: Eine Rückbuchung gibt es nicht. Anzeige und Wallet-Adressen sind hier der wichtigste Ansatz.

Einen Überblick gibt die Verbraucherzentrale. Sitzt der Händler im EU-Ausland, hilft in Deutschland das Europäische Verbraucherzentrum kostenlos. Zu Temu, Shein und AliExpress: Chargeback-Leitfaden.

6. Screenshot oder Beweispaket?

Vor einem deutschen Zivilgericht ist ein Screenshot ein Augenscheinsobjekt. Nach § 371 ZPO gilt: „Ist ein elektronisches Dokument Gegenstand des Beweises, wird der Beweis durch Vorlegung oder Übermittlung der Datei angetreten.“ Welchen Beweiswert die Datei hat, entscheidet das Gericht in freier Beweiswürdigung nach § 286 ZPO. Bestreitet die Gegenseite, dass die Seite so aussah, hilft ein Bild ohne nachweisbare Herkunft wenig.

Vergleich zwischen Screenshot und ProofSnap-Erfassung
MerkmalScreenshotProofSnap-Erfassung
ZeitpunktDateidatum, änderbarBitcoin-Zeitstempel ab dem Tarif Professional, qualifizierter eIDAS-Zeitstempel in den Tarifen Enterprise und Company sowie mit dem eIDAS SnapPack
Änderungen erkennbarNeinSHA-256-Hashwert für jede Datei, digitale Signatur
Adresse und QuelltextNicht enthaltenURL, HTTP-Header, HTML-Code der Seite und Domaindaten
BeweisketteKeineProtokoll und Beweiskette im Paket

Mit einem qualifizierten eIDAS-Zeitstempel gilt nach Art. 41 Abs. 2 der eIDAS-Verordnung „die Vermutung der Richtigkeit des Datums und der Zeit, die darin angegeben sind, sowie der Unversehrtheit der mit dem Datum und der Zeit verbundenen Daten“. Mehr dazu: Warum ein Screenshot vor Gericht scheitert.

7. Die Seite ist schon weg?

Auch dann lässt sich noch viel sichern:

  1. 1. Kontoauszug oder Kartenabrechnung mit der Buchung
  2. 2. Bestell- und Zahlungsbestätigungen per E-Mail
  3. 3. Chats, die noch bestehen, etwa in WhatsApp oder im Postfach der Plattform
  4. 4. Die Betrugsseite in der Wayback Machine, falls sie dort archiviert wurde
  5. 5. Anzeigen und Beiträge in sozialen Netzwerken, die Sie zum Angebot geführt haben
  6. 6. Browserverlauf und heruntergeladene Rechnungen

8. Nach dem Betrug: Identität schützen

Wer einmal betrogen wurde, wird oft erneut angesprochen, zum Beispiel von angeblichen „Recovery-Experten“, die versprechen, das Geld gegen eine Vorabgebühr zurückzuholen. Das ist fast immer die nächste Masche. Polizei und Banken verlangen keine Gebühr für die Rückholung.

  • • Passwörter aller betroffenen Konten ändern und die Zwei-Faktor-Authentifizierung aktivieren.
  • • Haben Sie eine Ausweiskopie weitergegeben: Polizei informieren und Bonitätsauskünfte prüfen, in Deutschland etwa mit der kostenlosen Datenkopie über meineSCHUFA, in der Schweiz mit einem Betreibungsregisterauszug.
  • • Neue Konten, Verträge oder Mahnungen, die Sie nicht veranlasst haben, sofort sichern und melden.

Betrogen zu werden ist keine Schande. Unterstützung bieten das Opfer-Telefon des WEISSEN RINGS (116 006) und in der Schweiz die Opferhilfe Schweiz.

9. Was ProofSnap kostet

Abgerechnet wird in US-Dollar. Die Eurobeträge sind gerundete Richtwerte (Stand August 2026).

ProofSnap-Tarife und Einmalkäufe mit Preisen in USD und ungefährem Eurogegenwert
Tarif oder PaketPreisEnthält
Standard SnapPack4,99 USD (ca. 4,30 EUR) für 10 Erfassungen, unbefristet gültigFür einzelne Fälle, ohne Abo
Essential8,99 USD pro Monat (ca. 7,80 EUR) oder 80 USD pro Jahr (ca. 69,60 EUR)Hashwerte, Signatur und Beweiskette
Professional16,99 USD pro Monat (ca. 14,80 EUR) oder 160 USD pro Jahr (ca. 139,20 EUR)Zusätzlich der Bitcoin-Zeitstempel (OpenTimestamps)
Enterprise28,99 USD pro Monat (ca. 25,20 EUR) oder 280 USD pro Jahr (ca. 243,60 EUR)Zusätzlich qualifizierte eIDAS-Zeitstempel und eigenes Branding im Beweis-PDF
Company18,99 USD pro Nutzer und Monat (ca. 16,50 EUR)Für Teams mit mehreren Bearbeitern
eIDAS SnapPack6,99 USD (ca. 6,10 EUR) für 1 Zeitstempel, 24,99 USD (ca. 21,70 EUR) für 5, 49,99 USD (ca. 43,50 EUR) für 10Qualifizierte Zeitstempel ohne Enterprise-Abo
Video SnapPack24,99 USD (ca. 21,70 EUR) für 1 Video, 59,99 USD (ca. 52,20 EUR) für 3, 169,99 USD (ca. 147,90 EUR) für 10Längere Videoaufzeichnungen, mit je einem eIDAS-Credit

Credits aus eIDAS SnapPacks und Video SnapPacks sind 12 Monate gültig, Credits aus dem Standard SnapPack verfallen nicht.

7 Tage kostenlos testen

Kreditkarte erforderlich. Ohne Abo: Standard SnapPack für 4,99 USD (ca. 4,30 EUR).

10. Häufige Fragen

Kann ich Screenshots als Beweis für Online-Betrug verwenden?

Ja, aber ein Screenshot zeigt nur ein Bild ohne Adresse, Quelltext und nachprüfbaren Zeitpunkt. Bestreitet die Gegenseite den Inhalt, entscheidet das Gericht in freier Beweiswürdigung. Ein Beweispaket mit Hashwerten, Signatur und Beweiskette ist schwerer anzugreifen.

Welche Beweise braucht die Polizei bei Online-Betrug?

Die Betrugsseite oder das Angebot mit Adresse und Datum, die Kommunikation mit dem Täter, Zahlungsbelege mit Empfängerkonto oder Wallet-Adresse und die Angaben, die der Täter über sich gemacht hat, etwa Name, Telefonnummer oder Profil.

Kann ich online Anzeige erstatten?

In Deutschland über die Onlinewache Ihres Bundeslandes, in der Schweiz für bestimmte Fälle wie nie gelieferte Ware in mehreren Kantonen über Suisse ePolice. In Österreich erstatten Sie Anzeige bei jeder Polizeiinspektion. Beweise können Sie als Anlage beifügen oder nachreichen.

Bekomme ich mein Geld von der Bank zurück?

Das hängt vom Zahlungsweg ab. Bei Kreditkarten gibt es die Rückbuchung (Chargeback), eine genehmigte SEPA-Lastschrift lässt sich acht Wochen lang zurückbuchen, eine nicht genehmigte bis zu 13 Monate. Bei Überweisungen kann die Bank nur einen Rückruf versuchen, bei Krypto gibt es keine Rückbuchung.

Was tun, wenn ich auf eine Phishing-Seite Daten eingegeben habe?

Sofort Passwörter ändern, Karten sperren lassen (in Deutschland über den Sperr-Notruf 116 116), die Bank informieren, die Phishing-Seite und die E-Mail sichern und Anzeige erstatten.

Können Recovery-Dienste mein Geld zurückholen?

Angebote, die versprechen, verlorenes Geld gegen eine Vorabgebühr zurückzuholen, sind fast immer selbst Betrug. Polizei und Banken verlangen für eine Rückholung keine Gebühr.

Quellen

Beweise sichern, 7 Tage testen