Digitale Gewalt Fall Fernandes DACH

Fall Collien Fernandes: Was tun bei einem Fake-Profil in Ihrem Namen?

Der Fall Collien Fernandes zeigt, woran es bei Fake-Profilen hängt: Das Verfahren zu ihrer ersten Anzeige wurde 2025 eingestellt, weil Ansätze zur Identifizierung des Täters fehlten. Betreibt jemand ein Profil in Ihrem Namen, sichern Sie Profil, Beiträge und Nachrichten an Dritte, bevor Sie melden. Dieser Leitfaden zeigt die Schritte mit ProofSnap für Deutschland, Österreich und die Schweiz (Stand 2026).

8 Min. Lesezeit

Hilfe und Beratung

  • • Deutschland: HateAid berät Betroffene von digitaler Gewalt kostenlos. TelefonSeelsorge 0800 111 0 111, Polizei 110
  • • Österreich: Beratungsstelle #GegenHassimNetz von ZARA, TelefonSeelsorge 142, Polizei 133
  • • Schweiz: Die Dargebotene Hand 143, Polizei 117

Kurz gesagt

  1. 1. Melden Sie das Profil noch nicht und schreiben Sie es nicht an.
  2. 2. Sichern Sie Profilseite, Beiträge, Bilder und Kommentare im Browser.
  3. 3. Bitten Sie Personen, die angeschrieben wurden, die Unterhaltung zu sichern.
  4. 4. Melden Sie das Profil danach und erstatten Sie Anzeige.

So sieht die Sicherung eines Fake-Profils aus

Das Fake-Profil im Browser und daneben die Seitenleiste von ProofSnap, mit der Sie die Erfassung starten.

Darstellung mit einem fiktiven Profil.
ProofSnap-Seitenleiste auf Deutsch mit der Schaltfläche „Seiten-Schnappschuss erstellen“, der Auswahl der Beweissprache und dem Schalter für den qualifizierten eIDAS-Zeitstempel
Die Seitenleiste von ProofSnap in Chrome.

1. Der Fall Collien Fernandes: Was Betroffene daraus lernen

Im März 2026 machte die Moderatorin Collien Fernandes öffentlich, dass Fake-Profile in ihrem Namen betrieben worden seien. Über diese Profile sollen Männer angeschrieben und intime Inhalte verbreitet worden sein. Der Fall zeigt, wie ein Verfahren verläuft, wenn ein Fake-Profil im Spiel ist.

  1. November 2024

    Fernandes erstattet Anzeige wegen Fake-Profilen in ihrem Namen.

  2. Juni 2025

    Laut Legal Tribune Online stellt die Staatsanwaltschaft Itzehoe das Verfahren ein, „weil Ermittlungsansätze zur Identifizierung des Täters gefehlt hätten“.

  3. März 2026

    Fernandes macht die Vorwürfe öffentlich, die Ermittlungen werden wieder aufgenommen.

  4. 7. Oktober 2026

    Das Bundeskabinett beschließt den Entwurf eines Gesetzes gegen digitale Gewalt.

Ein Verfahren gegen Unbekannt steht und fällt mit dem, was die Ermittler in der Hand haben. Ein Fake-Profil, das niemand gesichert hat, ist nach der Löschung nur noch eine Erinnerung. Die folgenden Schritte sorgen dafür, dass es dazu nicht kommt.

2. Was das Gesetz gegen digitale Gewalt ändern soll

Am 7. Oktober 2026 hat das Bundeskabinett den Entwurf eines Gesetzes gegen digitale Gewalt beschlossen. Er sieht unter anderem vor:

  • • einen eigenen Straftatbestand für ansehensschädigende Kommunikation über ein Fake-Profil einer real existierenden Person,
  • • Strafen für das Herstellen und Verbreiten sexualisierter Deepfakes,
  • • einen gerichtlich durchsetzbaren Anspruch darauf, dass Plattformen die Identität anonymer Nutzer offenlegen und Daten vorläufig sichern,
  • • die vorübergehende Sperrung von Konten bei schwerwiegenden Rechtsverletzungen mit Wiederholungsgefahr.

Das Gesetzgebungsverfahren läuft noch. Bis zum Inkrafttreten und danach für alles, was die Plattform nicht mehr speichert, bleibt die Sicherung Ihre Aufgabe.

3. Schritt für Schritt sichern

Ob Fake-Account mit Ihren Fotos, kopiertes Profil oder Identitätsdiebstahl auf Instagram: Viele Ratgeber empfehlen, das Profil sofort zu melden. Sichern Sie es vorher in sechs Schritten:

  1. 1. Noch nicht melden

    Melden Sie das Profil erst, wenn es gesichert ist. Nach einer Meldung kann die Plattform es entfernen, samt Beiträgen, Nachrichten und Profiladresse. Schreiben Sie das Profil auch nicht an.

  2. 2. Die Plattform im Browser öffnen

    ProofSnap ist eine Erweiterung für Chrome und Edge. Öffnen Sie das Fake-Profil in der Web-Version, etwa auf instagram.com, facebook.com, tiktok.com oder x.com.

  3. 3. Das Profil und jeden Beitrag sichern

    Sichern Sie die Profilseite mit Benutzername und Adresse, dann jeden Beitrag, jedes Bild und die Kommentare darunter. Der Benutzername lässt sich ändern, die gesicherte Fassung nicht.

  4. 4. Nachrichten an Dritte sichern lassen

    Schreibt das Fake-Profil andere Personen an, bitten Sie diese, die Unterhaltung in ihrem eigenen Konto zu sichern. Nur sie sehen diese Nachrichten, die oft den Kern des Falls bilden.

  5. 5. Ihr echtes Profil daneben sichern

    Sichern Sie auch Ihr echtes Profil. Erst der Vergleich zeigt, was übernommen wurde: Name, Fotos, Beschreibung.

  6. 6. Melden und Anzeige erstatten

    Melden Sie das Profil der Plattform als Identitätsmissbrauch und erstatten Sie Anzeige, wenn nötig gegen Unbekannt. Bringen Sie die Beweispakete mit, notieren Sie das Aktenzeichen und beantworten Sie Rückfragen der Polizei schriftlich.

Mehrere Fake-Profile in einer Sitzung

Tauchen mehrere Profile auf, sichern Sie sie in einer Sitzung: Im Sitzungsmodus bekommt jeder Tab, den Sie während der Sitzung ansehen, eine eigene Sicherung im selben Beweispaket.

So sieht ein Beweispaket aus

Laden Sie ein Musterpaket herunter, wie ProofSnap es als ZIP-Datei erzeugt.

Musterpaket herunterladen

4. Was Sie bei einem Fake-Profil sichern sollten

Die Profilseite

Benutzername, Anzeigename, Profiladresse, Profilbild und Beschreibung. Über die Adresse finden Polizei und Plattform das Konto wieder.

Jeden Beitrag einzeln

Mit Bild, Text und den Kommentaren darunter. Kommentare zeigen, dass andere den Beitrag für echt gehalten haben.

Nachrichten an Dritte

Gesichert von den Empfängern in ihrem Konto. Daran zeigt sich, wem gegenüber jemand in Ihrem Namen aufgetreten ist.

Ihr echtes Profil

Zum Vergleich, damit die Nachahmung auf einen Blick erkennbar ist.

Videos

Mit der Videoaufzeichnung von ProofSnap halten Sie fest, wie das Video auf der Seite abläuft. Längere Aufnahmen ermöglicht das Video SnapPack, wie im Leitfaden „Videos von TikTok und Twitch als Beweis sichern“ beschrieben.

Eine Chronologie

Datum, Plattform, Profiladresse und der Name des Beweispakets. Ein Muster über Monate wiegt schwerer als ein einzelnes Profil.

5. Sexualisierte Deepfakes

Gefälschte intime Bilder oder Videos sind für Betroffene besonders belastend. Drei Dinge helfen:

  • • Nicht weiterleiten. Schicken Sie das Material niemandem, auch nicht zur Bestätigung. Sichern Sie es dort, wo es veröffentlicht ist.
  • • Nicht allein ansehen. Eine Vertrauensperson oder Ihre Anwaltskanzlei kann für Sie sichern. Oder Sie schicken uns nur die Adresse.
  • • Minderjährige: nie selbst sichern. Könnte das Material Minderjährige zeigen, melden Sie es direkt der Polizei und sichern Sie es nicht selbst.

6. Wenn Sie das Material nicht selbst ansehen wollen

Schicken Sie uns die Adresse des Profils oder Beitrags. Wir erfassen die Seite forensisch und liefern innerhalb von 48 Stunden ein versiegeltes Beweispaket per E-Mail, mit Bitcoin-Verankerung und qualifiziertem eIDAS-Zeitstempel. Eine Adresse kostet 44,99 $ (ca. 39 €), bis zu fünf Adressen in einem Beweispaket 149 $ (ca. 130 €).

7. Warum ein Screenshot nicht reicht

Ein Screenshot ist als Beweis zulässig, aber leicht angreifbar: Er zeigt nur ein Bild, ohne Quelltext, ohne Metadaten und ohne belastbares Datum. Bestreitet die Gegenseite, dass das Profil so aussah, steht Aussage gegen Aussage. Was ein Gericht an einem Screenshot tatsächlich prüft, erklärt der Beitrag „Sind Screenshots vor Gericht zulässig?“

Ein ProofSnap-Beweispaket enthält Screenshot, Seiten-HTML, Metadaten mit URL und HTTP-Headern, SHA-256-Hashwerte für jede Datei, eine signierte Übersicht, eine Beweiskette und ein verständliches Beweis-PDF in der Sprache Ihrer Wahl, insgesamt je nach Tarif 11 bis 15 Dateien. Ab dem Tarif Professional kommt ein Bitcoin-Zeitstempel hinzu, der belegt, dass die Daten spätestens zum gestempelten Zeitpunkt existierten.

Auszug aus einem Beweispaket

  • evidence.pdfBeweis-PDF zum Lesen
  • screenshot.jpegErfasste Seite
  • page.htmlSeiten-HTML
  • metadata.jsonURL, HTTP-Header
  • chain_of_custody.jsonBeweiskette
  • manifest.json + manifest.sigHashwerte, Signatur
  • manifest.json.otsab Professional
  • manifest.json.tsrmit eIDAS

Mit qualifiziertem Zeitstempel

Für einen qualifizierten eIDAS-Zeitstempel, wie ihn die Tarife Enterprise und Company sowie das eIDAS SnapPack enthalten, gilt nach Art. 41 Abs. 2 der eIDAS-Verordnung vor deutschen und österreichischen Gerichten die Vermutung der Richtigkeit von Datum und Uhrzeit sowie der Unversehrtheit der damit verbundenen Daten. In der Schweiz gilt die freie Beweiswürdigung. Ausgestellt wird der Zeitstempel von Disig a.s., einem qualifizierten Vertrauensdiensteanbieter auf der EU-Vertrauensliste.

8. Was ProofSnap kostet

Abgerechnet wird in US-Dollar. Die Eurobeträge sind gerundete Richtwerte.

Ohne Abo

Standard SnapPack

4,99 $
ca. 4,30 € · 10 Erfassungen, unbefristet gültig
  • Für einen einzelnen Fall
  • Hashwerte, Signatur und Beweis-PDF

Abo

Professional

16,99 $ / Monat
ca. 14,80 € · oder 160 $ pro Jahr (ca. 139,20 €)
  • Hashwerte, Signatur und Beweiskette
  • Bitcoin-Zeitstempel (OpenTimestamps)

Abo

Enterprise

28,99 $ / Monat
ca. 25,20 € · oder 280 $ pro Jahr (ca. 243,60 €)
  • Alles aus Professional
  • Qualifizierte eIDAS-Zeitstempel
  • Eigenes Branding im Beweis-PDF

Essential

8,99 $ pro Monat (ca. 7,80 €) oder 80 $ pro Jahr (ca. 69,60 €)

Hashwerte, Signatur und Beweiskette

Company

18,99 $ pro Nutzer und Monat (ca. 16,50 €)

Für Teams mit mehreren Bearbeitern

eIDAS SnapPack

6,99 $ (ca. 6,10 €) für 1 Zeitstempel, 24,99 $ (ca. 21,70 €) für 5, 49,99 $ (ca. 43,50 €) für 10

Qualifizierte Zeitstempel ohne Enterprise-Abo

Video SnapPack

24,99 $ (ca. 21,70 €) für 1 Video, 59,99 $ (ca. 52,20 €) für 3, 169,99 $ (ca. 147,90 €) für 10

Längere Videoaufzeichnungen, mit je einem eIDAS-Credit

Erst testen, dann entscheiden

Kreditkarte erforderlich. Ohne Abo: Standard SnapPack für 4,99 $ (ca. 4,30 €).

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9. Häufige Fragen

Ist ein Fake-Profil in meinem Namen strafbar?

Einen eigenen Straftatbestand für Fake-Profile gibt es in Deutschland bislang nicht. Je nach Inhalt kommen schon heute bestehende Straftatbestände in Betracht, etwa Ehrdelikte oder Nachstellung. Der Entwurf des Gesetzes gegen digitale Gewalt, den das Bundeskabinett am 7. Oktober 2026 beschlossen hat, sieht einen eigenen Tatbestand für ansehensschädigende Kommunikation über ein Fake-Profil vor. Das Gesetzgebungsverfahren läuft noch.

Soll ich das Fake-Profil sofort melden?

Erst sichern, dann melden. Entfernt die Plattform das Profil nach Ihrer Meldung, sind Beiträge, Bilder und die Profiladresse auch für Sie nicht mehr abrufbar.

Was, wenn das Profil schon gelöscht ist?

Fragen Sie Personen, die vom Fake-Profil angeschrieben wurden, ob die Unterhaltung in ihrem Konto noch zu sehen ist, und lassen Sie sie sichern. Erstatten Sie frühzeitig Anzeige, damit die Ermittler sich an die Plattform wenden können, und sichern Sie jedes neue Profil sofort.

Muss ich mir sexualisierte Deepfakes selbst ansehen, um sie zu sichern?

Nein. Eine Vertrauensperson oder Ihre Anwaltskanzlei kann für Sie sichern, oder Sie schicken uns die Adresse und wir liefern das versiegelte Beweispaket. Inhalte, die Minderjährige zeigen könnten, sichern Sie nie selbst, sondern melden sie direkt der Polizei.

Funktioniert das auf Instagram, Facebook, TikTok und X?

Ja, in der Web-Version im Browser. ProofSnap läuft in Chrome und Edge auf dem Computer; die Apps auf dem Handy unterstützen keine Erweiterungen.

Gilt das auch in Österreich und der Schweiz?

Die Sicherung funktioniert überall gleich. Für einen qualifizierten eIDAS-Zeitstempel gilt in Deutschland und Österreich die gesetzliche Vermutung der Richtigkeit von Datum und Uhrzeit, in der Schweiz gilt die freie Beweiswürdigung.

Quellen

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